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Archiv: E-Mail Tutorial 3/6

Netiquette

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Grundsätze | Erläuterungen

Der Begriff Netiquette ist abgeleitet von der "Etikette" und bezeichnet ursprünglich die allgemeinen Höflichkeitsregeln im Netz. Sie gewinnen dank des anhaltend wachsenden Datenverkehrs jedoch z.T. auch den Charakter von Sicherheitsregeln.

Aus der Einleitung einer übersetzung der ursprünglichen Netiquette:

"Die Benutzung des Netzes ist ein Privileg und kein Recht, welches bei schlechtem Benehmen jederzeit entzogen werden kann. Derartiges schlechtes Benehmen beinhaltet die Positionierung von illegalem Material auf einem System, die Benutzung von beleidigenden Ausdrücken und Schimpfwörtern sowohl in privaten als auch öffentlichen Nachrichten, das Senden von Nachrichten, die den Verlust von Arbeitszeit oder Systemverfügbarkeit bei der Empfängerin verursachen können, das Senden von Kettenbriefen und jede andere Verwendung, die eine überlast am Netzwerk verursachen oder die Arbeit anderer stören kann."
Quelle: externer Link support.sz-online.de

Weiter unten im selben Dokument:

"Die Zehn Gebote für Computerethik
  1. Du sollst nicht Deinen Computer benutzen, um anderen Schaden zuzufügen.
  2. Du sollst nicht anderer Leute Arbeit am Computer behindern.
  3. Du sollst nicht in anderer Leute Files stöbern.
  4. Du sollst nicht den Computer zum Stehlen benutzen.
  5. Du sollst nicht den Computer benutzen, um falsches Zeugnis abzulegen.
  6. Du sollst nicht Software benutzen oder kopieren, für die Du nicht gezahlt hast.
  7. Du sollst nicht anderer Leute Ressourcen ohne deren Erlaubnis verwenden.
  8. Du sollst nicht anderer Leute geistig Werk als Deines ausgeben.
  9. Du sollst über die sozialen Konsequenzen Deiner Programme nachdenken.
  10. Du sollst den Computer so benutzen, daß Du Verantwortung und Respekt zeigst."
    Quelle: externer Link support.sz-online.de

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Grundsätze

Die meisten der im folgenden dargestellten, eher technischen Grundsätze, die sich jedoch (mehr oder weniger) aus den obigen Zitaten ableiten lassen, gelten für den Umgang mit E-Mail genauso wie für die Teilnahme an Diskussionsgruppen im Usenet. Kurz und knapp das Grundsätzliche, die Gründe folgen weiter unten auf der Seite (bei Klick auf die jeweils im Anschluss gestellte Frage "Warum?" springen Sie direkt zur jeweiligen Antwort):

  1. Schreiben Sie immer nur eine/n Empfänger/in in die eigentliche Adresszeile einer E-Mail, fügen Sie weitere Empfänger am besten in die BCC-Zeile ein und erwähnen Sie diese, falls das nötig oder statthaft ist, lieber im eigentlichen Text. CC-Empfänger bleiben auch für andere Empfänger sichtbar und sehen diese auch selbst, BCC-Empfänger bleiben für andere Empfänger unsichtbar und sehen selbst nicht, wer sonst noch die Kopie empfangen hat. Warum?

  2. Versehen Sie E-Mail nicht mit HTML-Auszeichnungen, um z.B. fette oder farbige Schrift oder sonstige Formate darzustellen. Stellen Sie die Option zum Erstellen von Mail in Ihrem Mailprogramm um auf "Reinen Text", "plain text", "keine HTML-Formate" oder wie immer sie bei Ihnen heißen mag. Warum?

  3. Eigentlich sollten E-Mailprogramme den jeweils korrekten Zeichensatz in Anpassung an die verwendeten Zeichen (z.B. Umlaute) selbst einstellen, manche tun das nicht. Wählen Sie dann als "Zeichensatz" oder "Charset" keinen, in dessen Namen "Windows" vorkommt, es sei denn Sie sind sicher, dass diese Nachricht nur auf einem Windowssystem ankommt: Wählen Sie für E-Mail innerhalb des westeuropäischen Sprachraumes den Standardsatz Western ISO 8859-1 oder Latin 1 aus, darin sind auch Sonderzeichen wie Umlaute etc. enthalten, jedoch kein Euro-Zeichen. Der ISO 8859-15 enthält letzteres zwar, wird aber auf vielen Systemen noch nicht unterstützt. Für E-Mail auf Englisch, ohne weitere Sonderzeichen, tut es auch US-ASCII. Wenn Ihr Mail-Programm die folgenden Einstellungen bei Mails z.B. mit Umlauten nicht automatisch verwendet, sollten Sie entweder das Programm wechseln oder die folgenden Einstellungen manuell vornehmen:
    • MIME-Version: 1.0
    • Content-Transfer-Encoding: quoted-printable
    Warum?

  4. Versenden Sie nicht ungefragt große Dateianhänge wie Bilder, Audio-Dateien oder Ihr neuestes Roman-Manuskript, und schon gar nicht an ganze Gruppen von Empfängern, die nicht danach gefragt haben. Warum?

  5. Stellen Sie die Zeilenlänge für Ihre Mails auf 70 bis max. 72 Zeichen ein. Warum?

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Erläuterungen

  1. Warum ist es "böse", mehrere Empfänger in die Adresszeile zu schreiben? Die Empfänger einer E-Mail werden selbst bei verschlüsseltem Versand (dann im Gegensatz zum Body, dem Inhalt der Mail) im Klartext durch das Netz übertragen. Mit geeigneten Programmen ist es für Spammer möglich, diese Adressen auszulesen. Werden die Adressen dagegen in die BCC-Zeile für "blinden" Mehrfach-Versand eingetragen, generiert der Mailserver für jeden Empfänger eine eigene Mail, die nur eine einzige Empfängeradresse preisgibt und so den nötigen Aufwand für Spammer erhöht.

    Zudem verletzen Sie so massiv den Datenschutz: Je länger die Liste von Empfängern einer Mail, umso sicherer ist es, dass Adressen unter einander völlig unbekannten Menschen breit gestreut werden, was sich im Adressbuch aktiver SurferInnen schnell zu einer Lawine entwickeln kann. Wenn Sie mich auf eine solche offen verschickte Liste setzen, so muss ich Sie fragen: Wie kommen Sie dazu, meine Adresse ohne mein Einverständnis an mir wildfremde Menschen weiterzugeben? Details und Links dazu finden Sie im Kapitel Spam, hier geht es zurück zu den Grundsätzen.

  2. Warum ist es "böse", HTML-Formate in E-Mails zu verwenden? Zitat:
    "Stell Dir einen singenden Boten vor, der auch ein bisschen malen kann und ziemlich nervt. Und dessen Absender gar nichts zu sagen hat, sondern nur etwas Geld von Dir will. Solche Typen hat man früher umgebracht. Heute löscht man einfach die html-Mail ..."
    Quelle: Patrick Rudin in der Newsgruppe dciwam (zu Newsgruppen siehe auch [1]). Das vollständige Posting können Sie finden im externer Link Google Newsgroup-Archiv.

    Es gibt weitere Gründe, HTML-Mail zu vermeiden: Erstens führen HTML-Formate zu größerem, aber i.d.R. überflüssigem Datenvolumen im Vergleich zu "plain text"-Mail, und vor allem werden zweitens unerwünschte Werbe- und Virus-Mails oft bzw. fast immer in HTML-formatierter Mail verschickt. Viele NutzerInnen löschen deshalb HTML-Mail bereits auf dem Server. Ob und ggf. wie das geht, erfahren Sie im Abschnitt zum Thema Viren. Hier geht es zurück zu den Grundsätzen.

  3. Warum sind manche Zeichensätze "böse"? Es gibt internationale Standards im Netz, Windows-Zeichensätze zählen nicht dazu, ISO-Charsets schon. Diese Standards dienen der reibungslosen Kommunikation, denn Kommunikation ist nicht nicht möglich ohne Konvention. Wenn eine Chinesin Ihnen den Weg beschreiben soll, wird das verbal nur funktionieren, wenn eine/r die Sprache des jeweiligen Gegenübers beherrscht. Auch ein Stadtplan wird möglicherweise nicht helfen: In vielen Ländern sind Menschen nicht daran gewöhnt, die dreidimensionale Realität auf ein zweidimensionales Stück Papier umzusetzen, Ihre gewohnte Konvention greift nicht. Mehr zu den Standards im Kapitel Technik. Hier geht es zurück zu den Grundsätzen.

  4. Warum sind nicht vereinbarte, unerbetene Dateianhänge mit womöglich auch noch großem Umfang "böse"? Dazu ein weiteres Zitat aus der übersetzung der ursprünglichen Netiquette:
    "Das "Internetz" oder "Das Netz" ist nicht ein einzelnes Netzwerk, es besteht vielmehr aus mehreren tausenden einzelnen Netzwerken, die es erlauben, daß gegenseitig über die anderen Netzwerke Datenverkehr stattfinden darf. Daten, die am Internetz abgeschickt werden, durchqueren eigentlich mehrere verschiedene Netze, bevor sie ihr Ziel erreichen. Daher muß sich jede Benutzerin auch der Last bewußt sein, die sie auf andere Netzwerke bringt."
    Quelle: externer Link www.ping.at
    Fragen Sie sich vor allem selbst, ob es Ihnen gefallen würde, wenn Ihnen jemand ungefragt eine umfängliche Sendung potenziell gefährlichen Inhaltes schickt, die Sie nie erbeten haben, nicht erwarten und am Ende gar nicht wollen. Und ja, Dateianhänge, gleich welcher Art und von welchem Absender, sind immer zumindest potenziell gefährlich, denn Sie können nie wissen, ob das System des Absenders von Viren infiziert ist und ob das ursächliche Virus vielleicht mit genau jenem Anhang auch auf Ihrem System ankommt. Hier geht es zurück zu den Grundsätzen.

  5. Warum sind Zeilen mit mehr als 70 bis 72 Zeichen "böse"? Auch dies geht auf eine Konvention, einen Standard zurück, der mit weiteren vor allem in Newsgruppen eingehalten werden sollte, um nicht geflamed zu werden oder gar eine externer Link Merkbefreiung per Vordruck in der Newsgruppe de.alt.gruppenkasper zu kassieren.

    Bei 72 Zeichen bleibt genug Platz in der Zeile auch für mehrfaches Einfügen der üblichen Quoting-Markierungen, ohne dass unschönes, schwer lesbares Kammquoting entsteht, wie es das folgende Beispiel zeigt:

    > So etwa sehen Zeilen nach einfachem Zitieren aus, die mit zu vielen
    Zeichen
    > verfasst wurden: Während die ursprünglichen Umbrüche erhalten
    bleiben,
    > muss das Programm zusätzliche Zeilenumbrüche einfügen, um die
    maximal
    > verfügbare Zeilenlänge nicht zu übeschreiten. Dies nennt sich
    Kammquoting.

Hier geht es zum Kapitel Technik.
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[1]: Um Newsgruppen auf Ihrem System zu lesen, müssen Sie einen Newsserver konfigurieren (ähnlich einem Mailserver für Mail) und einen Newsreader, ähnlich einem Mailprogramm für Mail, installiert haben. Weitere Infos dazu finden Sie z.B. unter externer Link news.individual.de, dem inzwischen kostenpflichtigen Nachfolger von news.cis.dfn.de. Hier geht es zurück zum Text.